"Kabale und Liebe"

Friedrich Schiller - Februar 2002



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Zeitungsartikel aus der Friedberger Allgemeinen

Wenn der Wurm drin (dran) ist ...

... hat die Liebe gegen gemeine Kabalen einen schweren Stand - Premiere mit Schiller im Neuen Theater Mering

Heimtückisch, hinterhältig und sehr dramaisch ging es am Wochenende im Dachgeschoß der Meringer Kultmühle zu. "Kabale und Liebe" von Friedrich Schiller bannte das Premierenpublikum auf die Zuschauerstühle im bis auf den letzten Platz belegten Theatersaal und der lang anhaltende Applaus bestätigte die Laiengruppe um Regisseur Robert Seidl in ihrem schauspielerischen Engagement.
Eine große Herausforderung stellte für die zehnköpfige Theatertruppe - darunter vier neue Ensemble-Mitglieder - das klassische Drama Schillers dar, das sie meisterhaft auf die Bühne brachte. Was da nach einjähriger Pause im Meringer Dachtheater gespielt wurde, diente nicht als lockere Abendunterhaltung zum Zurücklehnen.
Rücksichtsloses Machtbestreben und schier unüberwindbare Standesschranken sind die Maschen, aus denen Schillers wortgewaltige Gesellschaftskritik gestrickt ist. Wurm, der Sekretär des Präsidenten, schmiedet devot aus dem Hintergrund die Ränke, um die Liebe der Bürgerstochter Luise und des Präsidentensohnes Ferdinand zu zerstören. Geschickt arbeitet Christian Süß dabei die Rolle des süffisanten, aber skrupellosen "Sekretarius" aus. Luises Vater, der Musiker Miller, durchschaut den "Tintenkleckser" und die Niedertracht des Präsidenten. Mit großer Hingabe mimt Norbert Ebner die grobschlächtige Empörung des in seiner Ohnmacht verzweifelten Vaters. Nicht minder überzeugend agiert Markus Schwab als Präsident von Walter, der gefühlskalt und autoritär das Glück seines Sohnes zu opfern bereit ist. In seiner grenzenlosen Leidenschaft enttäuscht, beschließt dieser, sich und seine Liebste zu vergiften. - Zweifellos die dramatischste Rolle des Trauerspiels, die Tobias Zinner einiges an mimischem Können abverlangt. Ergeben beugt sich Luise in ihr Schicksal ("Die Schranken des Unterschieds werden erst im nächsten Leben zerspringen"), wahrt dabei aber bis zum Schluß eine aufrechte Haltung, was Anja Smetana mit Bravour darzustellen gelingt. Für eine hinterhältig eingefädelte Scheinehe des Präsidentensohnes wird die nicht ganz unbescholtene Lady Milford auserkoren. Mit ihrem letztendlichen Verzicht auf Ansehen und Güter spielt Ulrike Singer eine sehr charakterstarke Rolle. Mit beteiligt am Komplott gegen die Liebe ist auch Hofmarschall von Kalb (Falko Fischer), der mit viel Sinn für Groteskes seine kasperlhafte Rolle am Fürstenhof unterstreicht und dem Publikum so manches Schmunzeln entlockte.

Geballte Wortkunst

Vor einem schlichten, aber sehr effektvollen Bühnenbild steht und fällt die Inszenierung in fünf Akten allein mit den wortgewaltigen Dialogen der Schauspieler, die allesamt ihr Bestes gaben. Dank einer eigens konstruierten, dreigeteilten Bühne für die wechselnden Handlungsorte kommt das Ensemble ohne Umbaupausen aus. Die Präsentation des Klassikers verdichtet sich dadurch jedoch nicht unerheblich.
"Ich finde es Klasse, dass wir hier in Mering so anspruchsvolles Theater präsentiert bekommen", stellte ein Besucher bereits in der Pause anerkennend fest. Auch seine Begleiterin zeigte sich fasziniert von der schauspielerischen Leistung der Laienspieler, die mit großer Textsicherheit überzeugend die Vielschichtigkeit der Beziehungsebenen in Szene setzten. Ein Glücksfall für die Meringer Kulturszene, von dem sich noch möglichst viele Zuschauer überzeugen sollten.


Luise Anja Smetana
Ferdinand Tobias Zinner
Frau Miller Heike Dietrich
Miller, der Geiger Norbert Ebner
Präsident Markus Schwab
Sekretarius Wurm Christian Süß
Lady Milford Ulrike Singer
Sophie Julia Böggemann
Hofmarschall von Kalb Falko Fischer
Gerichtsdiener Christian Schnappinger
 
Bühne Norbert Ebner
Markus Schwab
Carlos Wildner
Licht Robert Seidl
Maske Christiane Böggemann
Plakat Gertie Huber
Regie Robert Seidl

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