25 Jahre NTM

 

19.09.2015
Neues Theater Mering kehrt zu Anfängen zurück

Der Verein steht vor einem Großprojekt und zieht für kurze Zeit vom Dachtheater ins Papst-Johannes-Haus. Ein Blick auf 25 Jahre Theatergeschichte Von Thomas Steinhart

FA-Bild Die Anfänge des Neuen Theaters Mering liegen im Papst-Johannes-Haus. Und dorthin kehrt der Verein für ein Theaterwochenende anlässlich des 25-jährigen Bestehens auch zurück.

Im Februar stehen dort Goethes Faust sowie zwei Wiederaufnahmen – unter anderem der Jugendgruppen des Vereins – auf der Spielliste, genau an dem Ort, an dem praktisch alles begann. "Bei unseren ersten Stücken haben wir teils noch am Tag der Aufführung an der Bühne gearbeitet", erzählt der heutige Theaterchef Markus Schwab. Denn nur jeweils eine Woche vor den Aufführungen stand der große Meringer Veranstaltungssaal den Theatermachern zur Verfügung – das dürfte im Februar wieder so sein.

Der große Vorteil im Papst-Johannes-Haus ist die große Bühne, die es so im Dachtheater in der Schlossmühle nicht gibt. Allerdings: Ansonsten war und ist das Dachtheater, das im Jahr 1998 bezogen wurde, der große und historisch wichtige Glücksfall für das NTM. "Wir können hier auf derselben Bühne proben und dann auch spielen. Darum beneiden uns viele Vereine vergleichbarer Art. Das ist ein Traum", sagt Markus Schwab.

Außerdem ist das Dachtheater natürlich auch zum Zentrum des Vereins außerhalb der Kunst geworden. Hier werden nicht nur Stücke geplant, sondern auch die anderen Aktivitäten wie Ausflüge, Besuche anderer Theater oder sportliche Aktivitäten organisiert. Aktuell ganz oben auf der Beliebtheitsskala: Fußball-Golf, wobei der große Vorteil des Theaterspielens gegenüber dem Sport ein ganz einfacher ist, wie Theaterchef Markus Schwab schmunzelt. "Wenn du Sport machst, musst du immer und regelmäßig ins Training gehen. Das ist beim Theater anders."

Dafür warten auf der Bühne des NTM Herausforderungen ganz eigener Art. Zum immerwährenden Anspruch auf neue Kreativität kommt beispielsweise auch eine Besonderheit, die das NTM von anderen Häusern unterscheidet: Es gibt keine Souffleuse, die im Notfall beim Text weiterhelfen könnte. Das funktioniert gut, erzählen die Theatermacher. Das hat aber natürlich auch schon zu witzigen Situationen geführt. Immer wieder gern erzählt wird etwa, wie Markus Schwab als kleiner Eisbär ein Gedicht vortragen musste, sich dieses aber partout und trotz aller Anstrengungen nicht merken konnte. Die Lösung: Hinter einem Eisberg war ein für die Zuschauer nicht sichtbarer Zettel versteckt, von dem Schwab die Zeilen ablesen konnte. Eine eisige stumme Souffleuse sozusagen.

Und einmal vergaß eine Schauspielerin wirklich ihren Text komplett. Spontan rief sie: "Jetzt kommt er nicht" – und forderte damit seinen Spielpartner auf, endlich auf die Bühne zu kommen und ihm zu helfen, über die Panne hinwegzuspielen.

Pannen natürlich gibt es immer wieder, allerdings keine gewollten mehr wie früher, erzählt Markus Schwab. In den Anfangsjahren war es durchaus üblich, dass die Gruppe in der letzten Aufführung einem Schauspieler einen Streich spielte. So musste eine Schauspielerin beim Stück "Andorra" einen Stuhl zertrümmern. Dieser war immer so präpariert, dass er leicht auseinanderfiel. Bis zum letzten Auftritt. Da waren die Beine fest angeschraubt– und die Schauspielerin musste echte Gewalt anwenden, um den Stuhl doch noch klein zu bekommen.

Auf solche Streiche verzichtet das Theater allerdings seit einigen Jahren. "Es ist unfair gegenüber dem Schauspieler, aber auch gegenüber dem Publikum. Es gab manchmal blöde Situationen", sagt Schwab, der nicht nur etliche Rollen selbst gespielt, sondern oft auch Regie geführt hat. Dabei betont er eine weitere Besonderheit im NTM: Einen festen Spielleiter gibt es nicht. Wer mit einer Idee ankommt und Schauspieler dafür begeistern kann, darf auch Regie führen. Diese Lockerheit erzielt auch die Möglichkeit, sich immer wieder neu zu erfinden, sagt Schwab.

Die dunkelste Stunde in dem von großem gegenseitigen Vertrauen und echter Freundschaft geprägten Verein war der Tod des Schauspielers Matthias "Rossi" Roßmanith auf der Bühne bei einer Probe. Die Folge war wochenlanger Stillstand und die Absage des betreffenden Stücks. Kein einziges Foto existiert mehr von diesen Proben – nur ein Bild Rossis ziert heute noch den Theatersaal als Erinnerung.

Die Depression von damals hat das Theater gemeinsam in vielen Gesprächen überwunden. Jetzt geht es ins nächste Vierteljahrhundert, worauf die Nachwuchsgruppen in der Tat hoffen lassen können. Markus Schwabs große Hoffnung in diesem Zusammenhang: "Wir würden gerne hier im Dachtheater bleiben. Der Pachtvertrag endet in vier Jahren. Wir hoffen, dass er verlängert wird."

veröffentlicht: Friedberger Allgemeine vom 19.09.2015, Foto: unbekannt


2015 - ein besonderes Jahr für das NTM

Julilaeum Im März 1990 gründete eine Gruppe theaterbegeisterter Jugendlicher das NTM. Dies ist nun ein viertel Jahrhundert her und das NTM gehört seitdem zum festen Bestandteil des Kulturangebots im Landkreis Aichach-Friedberg (Chronik).

Grund genug für uns, zu feiern.

Die Feier anlässlich des 25-jährigen Bestehens des NTM findet am 25. Juli 2015 im Vereinsheim des Heimat- und Volkstrachtenvereins "Almarausch" Mering e.V. statt.

Und natürlich haben wir uns für unser Publikum zum Jubiläum etwas Besonderes einfallen lassen: Im April/Mai 2015 bringen die NTM Neons "Die Welle", eines der bekanntesten Jugendbücher, auf die Bühne. Im Herbst treten die NTM Kids auf, die Erwachsenen folgen im Winter/Frühjahr 2016.

Die nachfolgenden Artikel wurden zur Gründung und zum 20. Vereinsgeburtstag veröffentlicht und enthalten ebenfalls Interessantes und Informatives über den Verein.


05.04.2010
Wenige Sekunden entscheiden über den Erfolg

FA-Bild_1 Es sind die Sekunden, in denen der Schauspieler die Bühne der Schlossmühle betritt und nach langen Proben erstmals in der neuen Rolle vor dem Publikum steht. Die Nervosität schießt hoch, ist nicht vergleichbar mit der Unruhe vor der Aufführung etwa im Schminkraum über der Bühne.

Die ersten Worte, Gesten müssen sitzen, dürfen keine Unsicherheit verraten, bis die Sicherheit zurückkehrt, die Aufregung sich legt - und die eigentliche Freude am Spiel beginnt.

32 Stücke im Laufe von zwei Jahrzehnten

Unzählige Male haben die Schauspieler des Neuen Theaters Mering (NTM) diese entscheidenden Sekunden erlebt - und über sie hinweg in die insgesamt 32 Stücke hineingefunden, die im Laufe der vergangenen 20 Jahre vom NTM aufgeführt wurden. Kritisch wollte es damals sein, das Neue Theater Mering und das will es auch heute noch, 20 Jahre nach der Gründung. Gespielt wurden Stücke wie "die Unvernünftigen sterben aus" von Peter Handke, "Andorra" von Max Frisch oder auch "Porträt eines Planeten" von Friedrich Dürrenmatt. Das Meringer Publikum erlebte absurdes Theater, Impro-Theater. Aber auch Komödien.

Frei, innovativ und frech

Aus der Taufe gehoben wurde der Theaterverein im März 1990. Einige junge Leute wollten einfach Theater spielen, frei, innovativ und frech. Sie fanden Sponsoren, im Papst-Johannes-Haus und im Jugendraum daneben eine Spielstätte, und vor allem fanden sie Publikum. Die Zahl der Theaterbegeisterten wuchs. Bei der Inszenierung von Gundi Ellerts „Jagdzeit“ etwa standen 30 Schauspieler auf der Bühne - ein Rekord damals. Nur das Freilichtstück "Die Räuber", das Jahre später im Innenhof des Meringer Schlosses aufgeführt wurde, übertraf diese Zahl.

FA-Bild_2 Der zentrale Meilenstein in der Entwicklung des NTM wurde mithilfe der Gemeinde Mering im Jahr 1998 gelegt: In den Räumen der Schlossmühle durfte sich das Theater eine eigene ständige Spielstätte einrichten, in der die Mitglieder auch proben können.

In diesen Räumen begann auch eine Entwicklung, die viele sehr lieb gewonnen haben und die den Schauspielern unvergessliche Momente bescherte: die Stücke für Kinder. Etliche wurden im Laufe der Jahre inszeniert. Derzeit arbeiten die Verantwortlichen um den ersten Vorsitzenden und Gründungsmitglied Markus Schwab an einer neuen, großen Inszenierung.

Geburtstag wird gefeiert mit "Emilia Galotti"

Im Sommer wird wieder im Schlosshof das Stück "Emilia Galotti" von Lessing auf die Bühne gebracht. Ein klassisches Stück. Aber besser geeignet als viele andere, um moderne Phänomene der Gesellschaft zu durchleuchten. Premiere ist am 9. Juli. Und natürlich wird auch der 20. Geburtstag noch angemessen gefeiert. Die Theaterfamilie und ihre Freunde begehen das Fest am 2. Oktober.

veröffentlicht: Friedberger Allgemeine vom 05.04.2010, Fotos: NTM


05.04.1990
Meringer Jugendliche gründen Laienspielverein "Neues Theater"

Vorstand gewählt und erstes Stück, Horváths "Hin und Her", besprochen.

Mering. In Mering wurde ein weiterer Theaterverein gegründet. Jugendliche zwischen 18 und 22 Jahren wollen unter dem Namensetikett: "Neues Theater Mering" moderne Thetaerstücke, die sowohl Thematik als auch Probleme der Gegenwart ansprechen, auf die Bühne bringen. Nicht außer acht lassen will man dabei, dass ernstere Sujets nun einmal besser humorvoller präsentiert von den Zuschauen angenommen werden. Man setzt bewusst, und dies ist eine Vorgabe der neuen Gruppe, auf andersartige Theaterstücke gegen die landkreisüblichen, durchaus beliebten Bauernschwänke. Dass hier ein Bedarf ist, war bereits an den in den Vorjahren aufgeführten Stücken, etwa den "Physikern" von Friedrich Dürrenmatt, festzustellen oder mit der Aufführung von Kishons "Zieh den Stecker raus, das Wasser kocht", welche ausverkauft war.

FA-Bild Die Jugendlichen, die bisher als "Junges Theater" auftraten, mit einigen Mitgliedern auch bei der Volksbühne Mering schon präsent waren, können demnach insgesamt vier Jahre Theatererfahrung aufweisen. Trotzdem möchte man nicht auf die beratende Unterstützung von Rudolf Schwab von der Volksbühne Mering verzichten, der mit einigen Tips zur Seite stehen wird. Als Laienschauspieler treten künftig auf: Andreas Gärtner, Markus Schwab, Claudia Blum, Robert Seidl, Markus Steber, Sandra Endress, Markus und Stefan Puchta, Michael Singer, Angelika Beisel, Christiane Neumeir, Marius Pendovici, Christian Hohn, Florian Gerlach. Fürs Bühnenbild zeichnen zuständig: Sabine Müller, Florian Einfalt, Sabine Maresch, Susanne Dinkel. Die Beleuchtung übernimmt Gerd Ramert. Die Ausarbeitung und Gestaltung der Aufführungsstücke werden in Teamwork durchgeführt.

Die Jugendlichen sind Studenten und Schüler, Auszubildende oder stehen bereits seit einiger Zeit im Berufsleben. Durch das Entgegenkommen der Pfarrei St. Michael können die Proben im Jugendheim abgehalten werden, worüber man sich sehr freut. Als erstes Stück unter dem neuen Namen haben sich die Jugendlichen für den Autor Ödön von Horváth mit "Hin und Her" entschieden, die Proben laufen derzeit schon zweimal wöchentlich. Die Aufführungen sind vorgesehen am 26./27. Mai und am 2./3. Juni, jeweils im Papst-Johannes-Haus.

Die Gründung und die Wahl

Markus Steber übernahm die Begrüßung und verlas, nachdem die Anwesenden die Beitrittsformluare ausgefüllt und unterschrieben hatten, die für den Theaterverein "Neues Theater" maßgebliche Vereinssatzung. Er legte noch einmal die Zielsetzung klar, vielfältige, moderne Theaterstücke anzubieten. Wie es bei einem gemeinnützigen Verein üblich ist, kommen die Einnahmen allein dem Verein zugute, werden nicht auf die Mitglieder umgelegt. Steber beantwortete Zusatzfragen der jungen Mitglieder. Dann schritt man zur Wahl. 16 Wahlberechtigte kürten den ersten Vorsatand des "Neuen Theaters". Als erster Vorsitzender fungiert demnach Robert Seidl, als zweiter Vorsitzender Markus Steber. Die Kassenführung übernimmt Andreas Gärtner, die drei Beisitzer heißen: Florian Einfalt, Sabine Müller, Markus Schwab. Schriftführerin wurde Kathrin Weinkamm. Der Jahresbeitrag beläuft sich auf jährlich 12 DM.

Das Schlusswort erhielt natürlich der neue erste Vorsitzende, der für die gute Zusammenarbeit in den nächsten zwei Jahren warb. Der Verein wird nun die Eintragung ins Vereinsregister beantragen.

veröffentlicht: Friedberger Allgemeine vom 05.04.1990, Foto: Hochlenert

 


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